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Highlights im WIR unserer Arbeitsgruppe

Ein Beitrag von Sabine Bremer

Was bietet der Artikel
Mit dem Artikel möchte ich aus unserer Arbeit und ihren unerwartet intensiven Qualitäten berichten, die beim Aufbau dieser neuen Angebotsplattform entstanden sind. Viele Detailaufgaben haben wir erst auf dem Weg entdeckt: Gelder generieren und verwalten, ein für das Vorhaben geeignetes Seminarverwaltungsprogramm finden und in Gang bringen, endlos Design- und IT-Entscheidungen treffen …. alles in allem gefühlt viel viel mehr Arbeit, als wir je erahnen konnten.

WIR: das waren erst einmal Elisabeth Gores-Pieper, Sibylle Ratsch und ich, Sabine Bremer. Und als Verbindungsfrau zur Geschäftsstelle kam später Karen Appel hinzu. In diversen Teilarbeitsgruppen und -feldern gehören zahlreiche andere Menschen mit dazu. Nicht alle will ich nennen, aber im Herzen sind sie anwesend.

So fing es an
Es war 2018, als im internationalen Lehrkollegium (ILK) beschlossen wurde, eine neue Angebotsplattform für das Ruth Cohn Institut International (RCI) aufzubauen. Denn ab 2021 sollte es aus Kostengründen keine gedruckten Seminarverzeichnisse mehr geben. Eine Arbeitsgruppe sammelte auf der Konferenz erste Ideen. Schnell wurde deutlich, dass die Zeit vor Ort nicht reichen würde, um alle Eckpunkte für den neu angedachten Auftritt zu erarbeiten.

Sibylle erklärte sich bereit, Ansprechpartnerin und Koordinatorin einer AG Angebotsplattform (AGA) zu sein und Elisabeth schloss sich ihr spontan an. Dann sagte mir Sibylle, dass sie noch an mich gedacht hätten, da ich als frisches Mitglied im Lehrkollegium bestimmt „neuen Wind“ reinbrächte. Erst einmal fühlte ich mich geschmeichelt und ging recht unvoreingenommen an die Arbeit. Beide Frauen kannte ich nur vom Papier und kurzem Sehen. Wir wollten unsere AG auch noch etwas internationaler aufstellen und fragten Kolleg*innen aus Österreich, den Niederlanden und der Schweiz an. Doch Zeitgründe oder die Sorge bzgl. viel zu anstrengender sprachlicher Hürden brachten uns nur Absagen ein. Wir entschieden uns, dann eben so zu starten, wie wir sind.

Gut vorstellen konnte ich mir, bis zum nächsten ILK-Treffen 2019 etwas gemeinsam zu kreieren: „das wäre dann mein angemessener Beitrag für das Gemeinwohl als neues Mitglied im Lehrkörper. Danach würde ich wieder aussteigen, denn Vereinsarbeit ist nicht mein Ding.“ Dachte ich! Auch scheute ich das Ganze ein bisschen, denn ich schätzte mich nicht als sonderlich gute Teamplayerin ein.

Dann ging es los! Sibylle, Elisabeth und ich waren uns schnell einig, dass wir nur via Skype arbeiten, da wir hunderte von Kilometern auseinander wohnen und keine weiteren Zeitreserven hergeben wollten für lange Reisen quer durch die Lande. Drei völlig unterschiedliche Frauen, die sich bislang kaum kannten, kamen so also zusammen. Unsere vielfältigen Interessen, Erfahrungen und Kompetenzen brachten ein Bündel kreativer Ideen hervor. Offenbar hatten wir die TZI auch gut genug verinnerlicht, um, überzeugt vom Potenzial unserer Verschiedenheit, miteinander das Bestmögliche zutage zu fördern, indem wir einander gut zuhörten. Von Spontaneität und ungewohnten Denkweisen konnten wir uns inspirieren lassen und offen bleiben für die vielleicht noch ganz andere neue verbindende Idee. Ein Flow entstand und überraschend schnell hatten wir ein Konzept zusammen mit einer Gesamtvision, Designanforderungen, Rahmenbedingungen, Zeitplan und Voraussetzungen zum weiteren Vorgehen und nicht zuletzt für den Finanzierungsplan, um dem Problem der leeren Kassen proaktiv zu begegnen.

Als wir unser Konzept 2019 im ILK mit einer Powerpoint-Präsentation vorstellten, ernteten wir Beifall und die 100%ige Zustimmung aller Anwesenden. Innerhalb einer Stunde hatten wir Geldzusagen in Höhe von 16.000 Euro und die nötigen Mitglieder für drei weitere Arbeitsgruppen zusammen. Wir konnten unseren Erfolg erst gar nicht glauben. Klar war nun aber, dass wir drei jetzt nicht aussteigen konnten, sondern nach dem erfolgreichen A auch B sagen mussten. Das fiel leichter als gedacht, denn unsere AG-Arbeit machte uns richtig Spaß.

Jetzt wird es konkret
Nach der Konzepterstellung hatten wir jetzt also eine neue Aufgabe: die Konkretisierung und die Koordination aller Umsetzungsschritte. Auf diesem Weg stießen wir auf zahlreiche Herausforderungen, neue Stolpersteine und einen enormen Kommunikationsaufwand. Denn vieles konnte nur in Kooperation und Abstimmung mit anderen Gremien des RCI vorangebracht werden. Öfter kam uns Ruth Cohn’s Satz in den Sinn: „Wer den Globe nicht beachtet, den frisst er“. Wir entdeckten uns, ohne dies geahnt oder gar geplant zu haben, im Zentrum eines großen organisationellen Transformationsprozesses innerhalb des RCI-International, das angesichts wachsender Finanzprobleme gerade dabei ist, sich nochmals neu aufzustellen. Mit großem Respekt wurden uns das Ausmaß der Herausforderungen deutlich, durch die uns unsere Vorstandskolleg*innen aktuell hindurch manövrieren.

Erste gewaltige Hürden stellten sich uns rund um‘s Geld und das ganz anders, als anfänglich befürchtet. Denn die Summe der Geldzusagen (und das darin ausgedrückte Vertrauen in unsere Arbeit) war mittlerweile zu einem komfortablen Polster für die anstehenden IT-Aufträge und den ersten Anschub der Plattform angewachsen. Doch wohin können diese Gelder nun einbezahlt werden? Es brauchte ganze drei Monate und die Gründung eines eigenen Fördervereins, um ein Konto zu eröffnen und die zugesagten Spenden und Kleinkredite auf steuerrechtlich korrektem Weg entgegenzunehmen. Ich hatte vorher gar nicht gewusst, dass Spenden zu empfangen so schwer ist. Meine Geduld war da angesichts all der nötigen Detailarbeit ganz schön auf die Probe gestellt.

Zum Glück gab und gibt es viele engagierte Menschen, die unser Vorhaben mittragen, z.B.. Ernst Schrade, der den „ViF“, den Verein zur internationalen Förderung der Themenzentrierten Interaktion nach Ruth C. Cohn mit aus der Taufe gehoben und dessen Vorsitz übernommen hat. Daniel Ham hatte sich auf unsere gezielte Anfrage hin gleich zu Beginn unserer Suchbewegungen bereit erklärt, alle rechtlich-finanziellen Abwicklungen zu übernehmen. Er ist nun der Kassier des ViF. Dankbar waren wir auch für die zahlreichen Gespräche mit unserer RCI-Präsidentin Andrea Schmid samt der ganzen internationalen Vorstandscrew. Nicht zuletzt erlebten wir es als ein Geschenk des Himmels, dass sich Karin Prölß, Beatrix Optenhövel und Shirley Rheinhaus als langjährig bewährtes Redaktionsteam weiter zur Verfügung gestellt hat und diese Aufgabe nun unter den neuen Vorzeichen fortsetzt.

Froh sind wir um das auf dem Weg dazu gewonnene 4. Mitglied in der AGA, Karen Appel. Als Leiterin unserer RCI-Geschäftsstelle in Berlin wurde sie uns vom Vorstand zur Seite gestellt. Sie sorgt für viele wichtige Klärungen und Rückkoppelungen, damit all das, was wir erarbeiten, in der Folge auch gut umgesetzt werden kann. Karen hat eine wichtige ergänzende Qualität in unser WIR gebracht. Sie bewährt sich als eine geduldig zuhörende, nachfragende und wohlwollend-engagierte kritische Instanz, und half so mit, viele mögliche Lücken rechtzeitig zu erkennen. Die inhaltliche Entwicklungsarbeit setzen wir in der AGA parallel dazu weiter zu dritt fort und profitieren dann von der anschließenden Rückkoppelung mit Karen. Nicht zuletzt gewährleistet Karen in all unseren Briefen und Dokumenten dank ihrer guten Englischkenntnisse ein verlässliches Gespür für unsere Zweisprachigkeit.

Merkmale und Chancen unseres WIR
Unsere Zusammenarbeit zeigte und zeigt mir, wie inspirierend, gewinnbringend und lustvoll es sein kann, in einem Team zu arbeiten und wieviel Mehrgewinn dies bedeutet. Die gelingende gegenseitige Resonanz erweist sich als ein unglaublicher Motivations- und Kraftgenerator. Verschiedenheit und leidenschaftliche Diskussionen sind wichtig. Sie bringen unerwartete Früchte hervor, wenn alle Beteiligten an die Möglichkeit einer gemeinsamen Lösung glauben. Wenn ich oder auch Elisabeth mal ungeduldig wurden, wirkte Sibylle oft klärend ein. Sie ist unsere Vermittlerin, kann Dinge klar und diplomatisch regeln und mit vorausschauender Umsicht für eine gute Kommunikation nach Innen und Aussen sorgen. Immer wenn es schwierig wurde, konnten wir uns auf sie verlassen. Und dann schreibt sie noch dazu „mal eben“ alle nötigen Briefe, um unsere Dinge gut nachvollziehbar und gewinnbringend weiterzugeben.

Für Strukturen in komplexen Arbeitsprozessen und die vorausschauende kreative Berücksichtigung finanzieller Aspekte ist Elisabeth zur Stelle. Auch für Marketing und Datenschutz-Fragen hat sie ein scharfes Auge und bringt die diesbezüglichen Herausforderungen im rechten Moment ins Spiel. Tja und ich? Ich bin Optimistin. Konstruktiv pragmatisch bringe ich, glaube ich, immer wieder Schwung ins Geschehen. Gelegentlich möchte ich das „Handtuch“ schmeißen, kann auf der anderen Seite in schwierigen Phasen aber auch sehr motivierend zur Seite stehen und diplomatisch intervenieren. Ich kümmere mich um IT-Fragen, das Design und die Verbindung zu den beteiligten Arbeitsgruppen. Ich habe darüber hinaus die Verbindung zu Taki Kiometzis hergestellt, der uns höchst engagiert als IT-Beauftragter, Webdesigner und Programmierer zur Seite steht. Als Bindeglied zwischen Design, Technik und unserer Arbeitsgruppe sorge ich für den nötigen Infoaustausch und gemeinsame Skypekonferenzen, wenn wieder ein neuer Schritt zu klären ist. Mit Taki und der Geschäftstelle bilde ich auch die Brücke zur Firma „Wundercoach“, die uns eine vielseitig nutzbare Seminarverwaltungs-Software eingerichtet hat und fortan zur Verfügung stellt.

Was uns allen gemeinsam ist: wir entwickeln uns miteinander, in kraftvoller Resonanz, agil und iterativ, Schritt für Schritt. Das zu erleben ist wunderbar! Neben unseren Ressourcen und Synergien, die wir inzwischen schon fast zwei Jahre lang uneingeschränkt gegenseitig befeuern, ist für mich so etwas wie eine „Arbeitsgruppenonlineskypefreundschaft“ entstanden. Die Corona-Krise hat uns dreien noch dazu wertvolle Zeitspielräume beschert, die wir als Freiberufler*innen mit einer hohen Reisetätigkeit sonst nie hätten freisetzen können. Jetzt – genau in der Hochphase des höchst anspruchsvollen komplexen Umsetzungsprozesses – konnten wir erfreulich flexibel für das jetzt Nötige da sein. Manchmal machten wir da nicht nur einmal, sondern sogar mehrmals in der Woche eine Skypekonferenz. Und jedes Mal ist in mir danach -trotz mancher fetten Hausaufgabe – ein wohlig verbundenes Gefühl zurückgeblieben. Was hätten wir ohne Covid 19 gemacht? Wir wären vermutlich ziemlich in Stress geraten im Erkennen eines Arbeitsvolumens, das keine von uns voraus ahnen konnte und mal eben neben der normalen Berufsarbeit hätte bewältigen können.

Bedingungen für ein agiles WIR
Zusammenfassend kann ich sagen: Vertrauen ist ein zentraler WIR-Beschleuniger. Unser gegenseitiges Anfangsvertrauen und die Vertrauenszusage unserer Kolleg*nnen im ILK 2019 haben uns je neu beflügelt im Vertrauen in unseren Prozess. Jede von uns konnte sich mit ihren spezifischen Kompetenzen in ihrer Einzigartigkeit einbringen. Wir hatten keine Rivalitätskämpfe und fanden in großer Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit heraus, wer von uns gerade welche nächstanstehende Arbeit erledigt. Keine fühlte sich übergangen oder gar allein gelassen im Sinne von „immer muss ich alles machen“. Es grenzt schon fast an ein Wunder, wie unsere Zusammenarbeit so selbstverständlich und ineinanderfließend lief und läuft.

Wichtige Einflussfaktoren lassen sich für mich im Rückblick aber klar herauskristallisieren. Ich drücke es mal in TZI-Sprache aus: Unsere ICH´s konnten sich entfalten und gleichzeitig im WIR verbinden. Das ES, unsere Aufgabe und Sache, hatten wir stets im Blick und wir hatten glücklicherweise von Anfang an einen großen Konsens hinsichtlich der uns wichtigsten Ziele. Den Globe, der immer wieder einen großen Einfluss auf unsere Arbeit genommen hat, mussten und konnten wir gut berücksichtigen. Das 1. TZI-Axiom zur Autonomie und Interdependenz kam für mich deutlich spürbar dahingehend zum Tragen, dass ich mich in meiner Einzigartigkeit ganz präsent und zugleich eingebunden fühlen konnte. Ich erlebte und erlebe mich als ein mit den anderen gut verbundenes Glied im Ganzen und die damit verbundene Form von Abhängigkeit nicht einengend, sondern stärkend und bereichernd.

Sibylle, Elisabeth und ich hatten von Anfang an, unabgesprochen, aber im höchsten Masse wirksam das gemeinsame Leitmotiv „Vertrauen“! Wenn es schwierig wurde, erinnerten wir uns gegenseitig daran mit einer Devise, die wir zu Beginn immer wieder betont hatten: wir streben kein auf Anhieb fertiges und perfektes Produkt an, sondern konzentrieren uns auf eine motivierende Gesamtvision und ein solides Fundament, auf dem sich alles weitere Schritt für Schritt entwickeln kann und darf. Und dass all das nach den ersten praktischen Erfahrungen immer wieder neu überdacht und gemeinsam mit den anderen Mitspieler*innen weiter entfaltet werden kann. Dieses Vertrauen in den Prozess hat uns vor einer Überdosierung von Strukturen bewahrt und gleichzeitig klar bleiben lassen dafür, was es für einen guten Start an Strukturen braucht, um einen nachhaltigen Prozess in Gang zu setzen. Unser gegenseitiges Vertrauen und unser Vertrauenspotential in alle anderen Mitwirkenden ist so kontinuierlich gewachsen.

Nun sind wir total gespannt, wie es weitergeht. Natürlich hoffen wir, dass Euch die neue Seite gefällt! Wir freuen uns auf Feedback und Anregungen. Vielleicht läuft das ein oder andere in der Anfangsphase noch nicht so rund, wie es laufen sollte, aber daran arbeiten wir dann weiter. Wir haben jedenfalls Lust, weiter im Prozess zu bleiben und vielleicht dockt ja auch noch die eine oder der andere neue Mitwirkende an. Viel Freunde beim Stöbern!

Sabine Bremer

Veröffentlicht in RCI

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